Löwe Bc,1
 

Zur Restaurierungskonzeption des Tell Halaf-Projektes: Flächige Ergänzungen und Rekonstruktionen werden nur dort vorgenommen, wo sie für die Bildhaftigkeit oder Statik erforderlich sind. Eine Wiederherstellung der gesamten Oberfläche ist nicht geplant, da aufgrund der Schäden große Bereiche originaler Steinfläche unter der Ergänzungsmasse verschwinden würden. Reliefdekor wird, auch wenn die Fortführung schlüssig ist, z.B. beim Fell der Löwen, nicht nachmodelliert. Jedes Fragment ohne Anschluss ist sorgfältig auf seine Zugehörigkeit zum Bildwerk zu überprüfen und wird im Zweifelsfall nicht wieder verbaut. Andererseits konnte durch die laufenden Such- und Identifizierungsarbeiten eine größere Zahl unbestimmter Bruchstücke erstmals zugeordnet und eingepasst werden. Durch diesen Erkenntniszuwachs werden einzelne Skulpturen über den Vorkriegszustand hinaus authentischer und zum Teil auch vollständiger im Vorderasiatischen Museum präsentiert werden können.

   
Rumpf Bc,1
 

Im Februar 2002 hat der Steinrestaurator des Vorderasiatischen Museums, Dipl.-Rest. Stefan Geismeier, mit der Restaurierung der ersten Tierbasis vom Westpalast begonnen. Am Beispiel des Löwen Bc,1 (Bezeichnung nach Tell Halaf III) ließen sich während der verschiedenen Arbeitsphasen u.a. Fragen antiker Herstellungstechniken klären. Das Schadensbild lässt darüber hinaus Rückschlüsse auf eine gezielte Zerstörung der Eingangsfassade in der Vergangenheit zu: Kein Säulenelement war bei der Ausgrabung vollständig erhalten, im Gegensatz zu den kleinen Orthostaten im Sockelbereich der Außenmauern. Mit der ersten Zusammensetzung der Skulpturen, ihrer Abformung und der Vervollständigung der Gipskopien war seinerzeit der russische Bildhauer Igor von Jakimow (1885-1962) beauftragt.

   
Kopf Bc,1
 

Feuer und Löschwasser hatten den Basalt stark belastet und in seinem Materialgefüge geschwächt. Feinste Haarrisse wirken sich bis heute aus, so dass die Konsolidierung der Bruchstücke im Vordergrund steht. Neben der Festigung von Schalenflanken nimmt das Verpressen von Rissen viel Zeit in Anspruch. Dübel, Armierungen und alte Zementergänzungen müssen entfernt und ersetzt werden, um eine optimale Passgenauigkeit der Fragmente ohne Versatz oder breite Klebefugen zu erzielen. Fehlende Partien am Ober- und Unterkiefer des Löwen Bc,1 wurden entlang der vorhandenen Originalfragmente modelliert beziehungsweise gespiegelt, um das ursprüngliche Erscheinungsbild anzudeuten.

   
Greif
 

Einige Partien, wie zum Beispiel Kopf und Brust des Greifs vom zweiten Durchgang des Westpalastes, waren während des Feuers durch die Mörtelergänzungen besser geschützt und konnten daher in größeren Teilstücken geborgen werden. Um die Formgebung der Erstrestaurierung zu bewahren, wurden beide Segmente vor dem Auseinandernehmen abgeformt. Dadurch blieben nicht nur die historisch wertvollen Lösungen erhalten; mit Hilfe der Abgüsse können alte Vorgaben auch nach der Demontage zum Vergleich herangezogen oder die Positionierung strittiger Fragmente diskutiert werden. Die freigelegten Bruchstücke wurden anschließend gefestigt, gereinigt und mit Epoxidharz neu verklebt. Für die Wiederherstellung der Brust bot sich Gips an, während der Kern des Kopfes noch durch einen lösungsmittelfreien Spezialmörtel verstärkt wurde. Ergänzte Oberflächen werden mit einem materialimitierenden Mörtel dünn beschichtet, den der Berliner Restaurator Gerhard Kunze entwickelt hat.

   
Orthostat
 

Durch den Brand des Museums wurden auch zahlreiche kleinere Bildwerke zerstört; unwiederbringlich verloren sind alle Reliefplatten und Werksteine aus Kalkstein sowie der überwiegende Teil der Kleinfunde. Im ersten Projektjahr konnten insgesamt neun kleine Orthostaten durch Fragmente nachgewiesen werden. Abgeschlossen ist die Restaurierung der „weiblichen Sphinx“ (A 3,151); eine zweite Reliefplatte, die einen Tierkampf zeigt (A 3,108), ist in Bearbeitung. Kleinere Fehlstellen auf der Schauseite wurden unter Niveau geschlossen und farblich retuschiert, ohne den Eindruck des tatsächlichen Erhaltungszustandes zu verfälschen.

   
Doppelsitzbild
 

Besonders aufwendig ist die Reinigung der teerölverschmutzten Oberfläche; der zum Teil in dicken Schichten aufliegende Teer war von dem brennenden Dach in die Ausstellungsräume getropft. Bei dem Doppelsitzbild sind die Placken so tief eingedrungen, dass die Steinstruktur partiell nicht mehr zu erkennen ist. Eine rückstandslose Entfernung der Verfärbungen ist nur bedingt möglich, jedoch lässt sich durch die Kombination verschiedener Reinigungstechniken ein gutes Ergebnis erzielen.

   
 


Literatur

Max von Oppenheim, Tell Halaf III: Die Bildwerke, bearbeitet von A. Moortgat, Berlin 1955